Am Ende wird ein Schuh 'draus!

In der Welt zuhause – auf Norderney daheim. Das Kunst- und Designmagazin MYOZINE erzählt  die bewegte Geschichte von Gary und Pomp®. Die druckfrische Ausgabe des Magazins liegt ab sofort kostenlos im Pomp®-Store Münster aus – solange der Vorrat reicht.  Kein Exemplar ergattert? Denn vollständigen Artikel findest Du nachfolgend:

Gary Teriete ist Erfinder von ganz besonderen Schuhen und nebenbei noch eine Art alternativer Weltenbummler. Geboren im britischen Suffolk reizte ihn schon früh das Leben in der großen, weiten Welt. Sein individueller Lifestyle paart sich mit ein paar biografischen Brüchen, aber meistens dreht sich bei Gary alles um den Nancy-Sinatra-Slogan „These Boots Are Made For Walking“.

Bereits im Alter von 16 Jahren war der Mann mit der Mütze Schuhverkäufer in London. Weil das Geld nicht reichte, kellnerte er noch dazu und wurde schließlich Butler beim City-of- London-Bürgermeister. Später arbeitet er als Tauchlehrer und tourt als Trekking-Reiseführer durch Lateinamerika. Der Liebe wegen landete er in Zürich und auch wieder in einem Schuhgeschäft. Sein ersten eigenen Laden eröffnete er auf Nordeney, der zweite existiert nun seit Dezember 2016 am Roggenmarkt in Münster.

Sein Markenzeichen ist die Schiebermütze und sein breiter, britischer Akzent. „Alles dreht sich schlussendlich um den „Common Sense“, das heißt du musst genau spüren: was ist der gesunde Menschenverstand und was haben Menschen für individuelle Bedürfnisse“, so die einleitenden Worte von Gary Teriete zur Idee seiner Schuhkollektion. Dann erläutert er, warum er jeden Monat zwischen 20 und 30 neue Schuhmodelle bekommt: „Wir setzen auf Ganzjahres-Schuhe und machen eher keine extra Modelle, die nur im Winter oder im Sommer passen. Du kannst unsere Schuhe auch im März oder Oktober tragen, das passt schon. Viel liegt auch an der Passform der Sohle, die ist nicht zu leicht - wie bei einem Sommerschuh; aber auch nicht so dick wie bei einem klobigem Winterschuh.“ Gary spielt im Gespräch viel mit Adjektiven, „crazy“ ist so ein Wort, mit dem er gerne hantiert. Er kreiert Modelle mit Tweed-Stoffen in ungewöhnlichen Konstellationen aus Leder und Leisten, Sohlen und Mustern und in auffälligen Farben. „Es ist gut wenn man ein Nischenphänomen findet, in dem man sich bewegen kann. Aber alles was viel zu „nischig“ ist, ist leider auch nicht gut. Denn dann besteht die Gefahr, dass du irgendwann in einer Sackgasse festgefahren bist“, sagt der Schuhdesigner über sein Label Pomp®.

Gefertigt werden die Modelle in Portugal und produziert werden in der Regel kleine Auflagen; meist in Paareinheiten von etwa 20 bis 50 Stück. Der Grundstoff dieser Schuhe besteht aus echtem italienischem Kalbsleder, welches in ausgesuchten Gerbereien hergestellt wird. Die Fertigung basiert auf vielen handwerklichen Schritten und einem hohen Qualitätslevel. Die Limitierung hat zudem etwas Verspieltes und Kunstvolles - und lässt die Pomp-Kollektion in einem besonderen Licht erstrahlen. „Wichtig ist für mich auch ein kreativer Name für jedes Paar, welches unser Haus verlässt. So bekommen sie einen eigenen Charakter. Die Namen entstehen rein aus dem Bauchgefühl heraus, meist passiert das hinterher.“ So nennen sich Halbschuhe dann „X-Rated Low“ oder Stiefeletten „Stallone Sgt. Pepper“. Die Designs sind kräftig, die Farbgebung manchmal sehr bunt oder gehen fast in Richtung Pop-Art. „Kürzlich haben wir mal recherchiert, welche Frauennamen besonders die Welt seit dem Jahr 1930 verändert haben, das will ich demnächst bei der Namensgebung auch mal berücksichtigen und integrieren.“ In den Modellen des kleinen Schuhlabels stecken nicht nur Kreativität und Liebe in allen Arbeitsschritten, es geht manchmal sehr tiefgründig zur Sache. Gary erklärt: „Wir hatten kürzlich einen Damenschuh gefertigt, der im Look ein bisschen an einen Bergsteiger-Schuh erinnert hat. Den haben wir „Miss Parminter“ genannt, das war die erste bekannte europäische Bergsteigerin. Es gibt einen Schnappschuss von ihr am Matterhorn, wo sie einen Rock trägt.“ Das war für Gary ein sehr inspirierendes Bild.

Seine Ausbildung absolvierte er bei der Schuhmarke Bally in London und arbeitete später nochmal 10 Jahre später beim gleichen Unternehmen in Zürich. Der Vater von Gary war Architekt und entwickelte Speichersysteme für Solarenergie, so verbrachte die Familie einige Jahre in Spanien - was schlussendlich der Startschuss für das multinationale Leben vom Schuhproduzenten war. „Ich fühle mich heute in Barcelona viel wohler als in London, der dortige Lifestyle ist viel näher an meinem Leben. Ich habe auch keine Angst ins Ausland zu gehen, im Gegenteil. Ich mag das sehr und habe das habe ich inzwischen dreimal gemacht.“ Das waren bislang Spanien, die Schweiz und Deutschland. Zwischendurch wollte er auch mal nach Tokio, schlussendlich ist er auf Nordeney gelandet und seine Lebensreise führte ihn dann weiter nach Münster. „Gerade die Nordsee-Insel mit seinen 6.000 Einwohnern hat mir mit seinem Beach-Feeling sehr gut gefallen.“ Gute Luft und starker Wind waren dann auch die treibenden Kräfte, dass sich die Pionierarbeit von seinem Schuhlabel gut entwickelt hat. Gary konnte sich hier wunderbar auf die innovative Entwicklung seiner speziellen Schuhe konzentrieren. „Viele haben gestaunt wie ich das mache, aber ich habe mich einfach auf mein Bauchgefühl verlassen“, sagt der Brite mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht. Mit neuer Partnerin und vier Kindern lebt er in einer Patchwork-Fernbeziehung und pendelt zwischen Münster und Nordeney, dabei hat er stets seine beiden Schuhgeschäfte im Blick. „Es muss wirtschaftlich gut gehen, daher bin ich zur Zeit viel mehr in Münster und kümmere mich viel hier bei den alltäglichen Geschäftsprozessen. Denn es gibt leider keinen Laden auf der Welt, den du neu öffnest und draußen vor der Tür stehen die Leute in einer langen Schlange an.“ Das Leben ist dynamisch, doch mit den richtigen Schuhen lassen sich die krummen und steilen Berg- und Tal-Strecken viel besser beschreiten. Dieses Geheimnis hat Gary Teriete sinnbildlich in jedes der Paare seiner Pomp-Kollektion eingearbeitet und mit auf den Weg gegeben.

Autor: Peter Hesse
Fotos: Dennis Gross, Rebecca Süssenguth
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von MYOZINE.

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